Gründer: Friedrich Peltzer

Bescheiden und modellbegeistert: Ein Modellbauer mizt Idealen

Er war der Mentor der Wiking-Modelle, ein Pionier des Autominiatur-Maßstabs 1:87. Friedrich Peltzer, der am 20. November 1981 78 jährig im Klinikum Steglitz verstarb, hatte das wohl unschätzbare Glück, seine Liebe zu Modellen, seine Faszination für Miniaturen zum Beruf, ja gar zur Berufung zu machen. Dabei war er zeitlebens Unternehmer und zum Start seiner beruflichen Laufbahn Ende der 1920er-Jahre noch meilenwert vom Modellbau entfernt. Als Publizist gründete er nach dem Biologie-Studium den Berliner Verlag „DasTier“ und gab bis zu Beginn der 1930er-Jahre die gleichnamige Monatszeitschrift heraus. Es waren schöngeistige Geschichten und großformatige Fotografien von Tieren. Sie eigneten sich immer wieder, um in rund einem Dutzend unterschiedlicher Bildbände veröffentlicht zu werden.

Flugzeuge entstanden früh aus „thermoplastischem Werkstoff“

Doch Friedrich Peltzer fand als Publizist keine berufliche Erfüllung. Noch vor dem Verkauf seines Verlages besann er sich 1932 auf das, was er in seiner Kindheit an der Kieler Förde am liebsten tat: den Nachbau der ihn beeindruckenden Schiffe. Profunde Kenntnisse der Seefahrt besaß er, jene für den Bau der Modelle erwarb er sich durch vielfältige Versuche. Ihm kam früh der geniale und spätere Modellbaumeister Alfred Kedzierski zur Hilfe. Zweifellos war Peltzer der entscheidende Multiplikator des heute weltweit gültigen Maßstabstabs 1:1250 für jene Wasserlinienmodelle, die das Schiff ausschließlich oberhalb der Wasserfläche abbilden. Der Erfolg kam selbst für ihn überraschend: Ende der 1930er-Jahre zählten die Schiffsmodelle von Wiking zu den Umsatzbringern in den Geschäften des ganzen Landes. Es kamen Flugzeuge hinzu, auch die ersten Heeres- und abgeleitete Verkehrsmodelle. Sie erschienen im Maßstab 1:200 und waren wie die Schiffsminiaturen aus Metall gegossen. Alsbald unternahm Wiking auch Versuche im Kunststoffspritzguss, verkaufte schon Ende der 1930er-Jahre die Flugzeuge aus sogenanntem „thermoplastischen Werkstoff“

Wirren nach dem Krieg führten erst nach Buer, dann nach Kiel

Nach dem zweiten Weltkrieg gestaltete sich der Wiederaufbau schwieriger denn je. Schiffsmodelle und Flugzeuge waren im entmilitarisierten Deutschland unerwünscht. Doch Friedrich Peltzer kämpfte für sein Lebenswerk, für den Modellbau. So startete schon 1948 das Programm der heute legendären Wiking-Verkehrsmodelle. Der Wiking-Chef baute seinen Standort in der Ende der 1930er-Jahre bezogenen Industrievilla in Berlin-Lichterfelde wieder auf, setzte aber zugleich auf eine Zweigstelle im niedersächsischen Buer. Dort wurden zunächst Schiffe, dann aber auch die Drahtachser gebaut. 1953 verlagerte der Wiking-Gründer diese Produktion zur Zweigstelle in Kiel.

Wiking-Chef lebte zeitlebens bescheiden

Friedrich Peltzer war zuweilen eigenwillig, aber immer ein Mann der Tat. Er scheute die Öffentlichkeit, selbst auf der so wichtigen Spielwarenmesse in Nürnberg wurde er so gut wie nie gesehen. Bis in die 1960er-Jahre hinein lebte er das Jahr über fernab der Produktion in Malente, kam nur zum Herbst zur Messevorbereitung zurück nach Berlin. Erst nach dem Tod seiner Frau Hedwig zog es ihn zurück in die geteilte Stadt. Hier lebte er „Unter den Eichen 101“ denkbar bescheiden auf wenigen Quadratmetern im oberen Teil des Stammsitzes. Gern suchte er das Gespräch mit den Sammlern, fand dort immer wieder neue Impulse für die Neuheiten der nächsten Jahre. Zeitzeugen erlebten ihn als einen fürsorglichen Unternehmer, der aber lieber den Modellen, als den Zahlen zugetan war. Ohne ihn und seine nicht ideell geprägten Entscheidungen lief nichts.

85 jährige Modellgeschichte voller Meilensteine

So war nach dem Ableben die Wiking-Zukunft vorübergehend ungewiss – einer immer wieder wohlwollend angemahnten Nachfolgeregelung hatte er sich bis zuletzt verschlossen. Er hing an seinem ganz persönlichen Lebenswerk. Die Familie Sieper folgte dieser Philosophie vorbehaltlos und erinnerte 2017 an die Gründung von Wiking-Modell im Jahr 1932 – eine 85 jährige Modellbaugeschichte voller Meilensteine begeistert unverändert.