Historie

Ein Phänomen voller Faszination

Wer heute ein Wiking-Modell in die Hand nimmt, kann verstehen, dass es eine ganze „Fangemeinde“ gibt, die aus Liebhaberei, Spaß am Detail und einem gerüttelt Maß an Respekt vor der Leistung der Miniaturbauer ins Schwärmen gerät. Wiking gilt heute mehr denn je als Synonym für Perfektionismus und konsequente Produktphilosophie. Keinem anderen Modellbauer ist es gelungen, deutsche Automobilgeschichte seit Ende der 1940er-Jahre des letzten Jahrhunderts so kontinuierlich und facettenreich zu dokumentieren. Das Resultat: Enthusiasten und auf Wiking eingeschworene Sammler, die keine Gelegenheit auslassen, um auch jede nur erdenkliche Miniatur in ihren Besitz zu bringen. Ein Phänomen voller Faszination. Dabei hatte alles 1932 begonnen.

Die Erfolgsgeschichte beginnt mit gegossenen Schiffsmodellen

Als Wiking-Gründer Friedrich Peltzer 1932 erstmals Schiffsmodelle produzierte, war er immer noch engagierter Zeitschriftenverleger. 1936 hob er in Berlin die Firma „Wiking Modellbau Peltzer & Peltzer“ aus Taufe. Und er hätte wohl damals nie gedacht, welche Tradition er damit begründete. Waren es seinerzeit noch Schiffsmodelle im Maßstab 1:1250, kamen rasch Flugzeugmodelle in 1:200 hinzu. 1948 begann für die Firma Wiking schließlich das, was Ludwig Erhard als deutsches Wirtschaftswunder verstand. Mit immer neuen anfangs spieltauglichen Modellen, damals noch im Maßstab 1:100 gefertigt, wurde ein neuer Markt erschlossen. Dieses Programm der Miniaturen entwickelte eine eigene Dynamik und machte WIKING zum Vorreiter für vorbildgetreuen Automodellbau im Kleinmaßstab. Mit der Umstellung von Drahtachsern zu Rollachsern verließen die Modelle dann im angenäherten H0-Maßstab 1:87 die Produktion. Sie waren geradezu prädestiniert, um der wachsenden Modellbahner-Gemeinde zur lebendigen Bestückung ihrer Dörfer und Städte zu verhelfen.

1958 gab es im Programm 128 unterschiedliche Modelle

Selbstverständlich waren die Verkehrsmodelle, angefangen vom Zweispänner Milchkannenfuhrwerk über Straßenbahn und Omnibus bis hin zum DKW und Büssing Lkw, in den 1950er- und 1960er-Jahren gern herangezogene Lehrmittel, um Fahrschulen die Probleme der zunehmenden Motorisierung deutscher Haushalte vor Augen zu führen. Die Modellbauer präsentierten ihr Lieferprogramm immer wieder praxisnah, was die Nähe zu Schulungszwecken unterstreichen sollte. In der 1958er-Bildpreisliste fanden sich neben den immerhin schon 128 unterschiedlichen Modellen auch Straßenpläne und die damals neuen Dreilicht-Ampel wieder. WIKING begriff die Wünsche seiner Kunden, bescherte jedes Jahr aufs Neue kleine Meisterwerke ganz nach dem Motto „Von Könnern für Kenner“. Es liest sich heute wie träumerische Nostalgie, doch damals war dieses Vergnügen für wenige Groschen zu haben. Der Magirus Rundhauber ging für ‘ne Mark übern Tresen, der Büssing 8000 für 1,50 Mark.

Berliner Stammsitz-Adresse
„Unter den Eichen 101“ unvergessen

Und weil Leistung stets belohnt wird, ging es in den Folge jahren stetig bergauf. Der Vertrieb der Modelle wurde national ausgeweitet, bald schon mit internationalen Verbindungen. Und was zu Beginn kaum Relevanz hatte, wurde von immer größererTragweite: die Produktion von Werbemodellen! Autoproduzenten, in erster Linie VW und Mercedes-Benz, ließen unzählige Modelle und Varianten durch Wiking produzieren. Das geschah freilich nicht ohne Hintersinn. Denn die Begeisterung für die Miniaturen, die in Fingerbreite die nagelneue Karosse nahe brachte, sorgte bei „gestandenen Männern“ für emotionale Überzeugungsarbeit. Klar, dass Innovationskraft in all den Jahrzehnten Wiking voranbrachte - und vom Wettbewerb differenzierte. Der Meilenstein war zweifellos das Jahr 1958, als die ersten verglasten Modelle im Programm erschienen. Das Lieblingsthema von Friedrich Peltzer, die Seefahrt, kam aber nie wieder zur erhofften Popularität, wenn gleich er es sich immer noch gewünscht hätte. So war es dem „Chef“, der unter der einst weithin bekannten Traditionsadresse „Unter den Eichen 101“ in Berlin-Lichterfelde residierte, bis zu seinem Tod im Jahr 1981 gelungen, die Marke Wiking als Qualitätsbegriff am Markt unangreifbar zu zementieren.

Lebenswerk des Gründers wird souverän fortgeführt

Sein Lebenswerk wurde durch die Firma Sieper in Lüdenscheid im Jahr 1984 souverän fortgeführt. Dort kannte man das Produktumfeld, schließlich war Siku – wenn gleich auch im größeren Maßstab – über die gleichen Jahrzehnte hinweg zum Marktführer geworden.Die Synergien, die sich durch die deutliche Zwei-Marken-Strategie – Wiking für Sammler, Siku für den Nachwuchs – ergaben, haben sich bis heute bewährt. Und selbst in einem Markt, der unter einer deutlichen Inflationierung von Modellen unterschiedlicher Qualitäten anderer Hersteller leidet, behauptete der „Traditionalist“ seine führende Marktposition und baute sein Premium-Image aus. Das liegt nicht zuletzt an der fortwährenden Wertstabilität.Wer hätte einmal gedacht, dass ein Modell aus den 1960er-Jahren für eine drei- oder gar vierstellige Summe den Sammler wechselt?

Modellqualität aus Lüdenscheidund dem polnischen Zlotoryja

Qualität hat immer noch ihren Preis. Schließlich funktioniert die Produktion von Wiking Modellen im westfälischen Lüdenscheid und im polnischen Zlotoryja heute mit Hightech. Das ist auch nur allzu verständlich, schließlich wurden die vielfältigen Innovationen, die der Kunststoff-Produktion über fünf Jahrzehnte zur Perfektion verhalfen, ideenreich mitgestaltet. Jedes Modell, das heute die Fertigung verlässt, entstammt den zentnerschweren Formen.