Plagiate

Wiking-Plagiate gab es immer schon

Oft kopiert, aber niemals das Original erreicht

Die Überraschungseier hatten ihre Erfolgsgeschichte lange noch vor sich. 1975, ein Jahr nach dem Marktstart von Ferreros Innovation im Lebensmitteleinzelhandel, erschienen die in der Wiking-Geschichte wohl aufsehenerregendsten Plagiate – 29 Exemplare im Maßstab um 1:120 wurden in der Folgezeit in 37 Varianten gezählt. Es war 1974, als ein ganz neues Marktsegment durch „Kinder Überraschung“ geschaffen wurde – die längst bekannte „Kinder Schokolade“ gab den Rückenwind zu einem bis dato völlig unbekannten Kombinationsprodukt. Für Ferrero war das der Beginn eines neues Weges, der gern als „Line Extension“ beschrieben wird. Nach Ferrero-Angaben wurde das heute als „Ü-Ei“ bekannte Produkt in Italien, im Heimatland des weltumspannenden Süßwarenimperiums, entwickelt. Die Überraschungseier bestehend aus gelber Plastikkapsel mit Inhalt, zweiteiliger Schokoladenhülle und Alufolien-Verpackung waren, so berichtete Ferrero einst in der Jubiläumsbilanz zum 30. Geburtstag, mit einer seinerzeit völlig neuenIdee auf den Markt gekommen. Unter dem Motto „Spannung, Spiel und Schokolade“ sei fortan ein Schokoladenei „mit Inhalt“ angeboten worden.

Aus dem Ü-Ei fielen 29 verkleinerte „Wikinger“

Es waren zum Teil in Optik und Ausführung präzise Plagiate, die Wiking-Freunde damals in den Ü-Eiern fanden. Unimog 406, MB Trac, aber auch Binz-KTW oder Audi 100 und Landrover 88 zählten dazu. Tatsächlich sollte seit den 1950er-Jahren kein Jahrzehnt vergehen, in dem nicht neue Plagiate die Wiking-Modell nachahmten. In den USA war es Marx, der den unverglasten Wiking-Modellen in ihrem Nachbau sogar zur Verglasung verhalf, nach der Jahrtausendwende folgten Spielzeug-Sets, die kaufattraktiv gleich mehrere Plagiate kombinierten und zum Besten gaben.

Sogar Lego war aufWikings Fährte

Und auch Lego folgte einst dem Wiking-Weg. Zunächst nur die Basis des Ford-Lkw und des VW T1 eingeführt, kamen nach 1956 weitere Typen hinzu. Übrigens: Für kurze Zeit verkaufte Lego den T1 – zeitgleich zu Wiking – in einer unverglasten Variante als Bus und Transporter. 1958 stellten die Dänen den VW Käfer als ersten Pkw vor, der zugleich in einer bausteinkonformen Präsentationsbox in Garagenoptik ausgeliefert wurden. Produziert wurde im deutschen Werk Hohenwestedt, das 1956 als erster Standort von Lego außerhalb Dänemarks in Betrieb ging. Kein Wunder, dass Lego mit der Deutschland-Dependance schnell auch vertriebliche Erfolge auf dem prosperierenden Nachbarmarkt generierte. Der letzter Katalog-Auftritt erfolgte für 1:87-Modelle dann 1968: Die verbleibenden Miniaturen wurden als Pkw-Set mit Personenwagen und VW-Bus sowie als Lkw-Set mit acht verschiedenen Aufbauten angeboten. Danach verschwanden sie.