Unverglaste Modelle

Die Drahtachser standen am Anfang der neuen Wiking-Verkehrswelt

Die Mitarbeiterinnen bei Wiking nannten sie gleich nach Kriegsende „Knipsautos“ und beschrieben damit den wohl wichtigsten Handgriff bei der Produktion der ersten Wiking-Automodelle nach 1948. Mit einem Hebelwerkzeug wurden die Drahtachsen abgequetscht – die aufgesteckten Räder brachten jedes Modell verlässlich ins Rollen.

Heute sprechen die Wiking-Freunde von Drahtachsern, einige auch von Quetschachsern. Tatsächlich wurden in den ersten Produktionsjahren Ende der 1940er-Jahre die Achsen heiß in die offene Achshalterung der noch bodenplattenfreien Karosserien eingebracht. Die Räder wurden seitlich aufgesteckt – und mit dem auf der Werkbank fest installiertenHebelwerkzeug „abknipst“. Die typische Quetschspitze an den Achsenden markiert diesen augenfälligen ersten Entwicklungsschritt. Der grundsätzliche Unterschied zu den wenige Jahre evolutionär nachfolgenden „Rollachsern“ ist einfach erklärt: Nicht die Achsen bewegten sich, sondern lediglich die Räder. Schon deshalb besaßen die Drahtachser eine ausgesprochen robuste Bauform.

Von 1948 bis 1953 wurde im niedersächsischen Buer, fernab von Berlin, die Produktion von Schiffen und Automodellen aufgebaut. Viele der Modelle der damaligen Produktionsjahre waren „Made in Buer“. 1953 stellte Wiking die Produktion am Fuße des Wiehen- gebirges ein und konzentrierte die Automodellfertigung auf den Traditionsstandort „Unter den Eichen 101“. Die Produktion von Schiffsmodellen und Automodellen im großen Maßstab wurde indes nach Kiel verlegt.